Stiftungsfundraising: Stiftungsengagement in Zeiten der Corona-Krise

Stiftungsfundraising: Stiftungen fördern flexibel und partnerschaftlich in Zeiten der Corona-Krise

Die Corona-Krise beeinflusst natürlich auch den privaten und öffentlichen Fördermittelmarkt in Deutschland.

 

Wie reagieren nun die Stiftungen auf diese aktuelle Herausforderung?

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen als verlässliche Informationsquelle für Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen in der Corona-Krise

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hält zu diesem Thema sehr viele interessante und hochaktuelle Informationen bereit.

 

So hat der Bundesverband eine eigene Informationsseite Corona: Stiftungsarbeit in der Krise veröffentlicht. Hier sind alle wichtigen und aktuellen Informationen zum Thema Stiftungsarbeit in der Corona-Krise veröffentlicht.

 

Insbesondere hervorzuheben ist hier der Aufruf des Arbeitskreises Förderstiftungen des Bundesverbandes zum Stiftungsengagement in Zeiten der Corona-Krise.

 

In dem Aufruf richten sich die Stiftungen an ihre Kooperationspartner, die gemeinnützigen Organisationen in Deutschland.

 

Die Stiftungen sind für zahlreiche Organisationen im Sozial-, Kultur-, Umwelt- oder Bildungsbereich unverzichtbare Partner, um Projekte zu finanzieren.

 

Da die gemeinnützigen Organisationen von der Corona-Krise direkt und existenziell betroffen sind, sehen sich die Stiftungen in der Verantwortung, ihren Partnern in dieser Ausnahmesituation zur Seite zu stehen.

 

Die Stiftungen werden ihre Partner weiterhin unterstützen, damit sie sich während und nach der Krise weiterhin für ihre Zielgruppen einsetzen können. Daher sind die Stiftungen auch vor allem in der Krise ansprechbar.

 

Die Stiftungen versichern, dass zugesagte Fördermittel nicht zurückgefordert werden, denn sie sind sich bewusst, dass Projekte momentan nicht wie geplant durchgeführt werden können. Das ist die zentrale Aussage der Stiftungen.

 

Die Stiftungen ermöglichen es, dass Projekte verschoben werden, Aktivitäten angepasst und Zusagen verlängert werden.

 

Sie empfehlen ferner, alternative Formate für abgesagte Veranstaltungen oder Projekte zu finden. Hier stehen die Stiftungen den gemeinnützigen Organisationen beratend zur Seite.

 

Ferner verlängern die Stiftungen die Fristen für die Abgabe von Projektberichten.

 

Auch bereits vereinbarte Fördertranchen, die an Ergebnisse, Ziele oder Meilensteine gebunden sind, die aufgrund der Corona-Krise nicht erreichbar sind, werden ausgezahlt.

 

Ferner können auch Zweckbindungen geändert oder aufgehoben werden, damit die gemeinnützigen Organisationen flexibel auf die Krise reagieren können.

 

Wichtig ist auch, dass die Stiftungen zusätzliche Förderungen zur Verfügung stellen und sich an Nothilfe-Fonds für besonders betroffene Zielgruppen beteiligen. Insbesondere dieser Aspekt ist sehr interessant, da hier zusätzliche Fördermittel für Nothilfemaßnahmen in der Krise zur Verfügung gestellt werden.

  

Der Bundesverband ruft auch andere Stiftungen, soziale Investoren und Geldgeber dazu auf, sich diesem Aufruf anzuschließen.

 

Bisher (Stand 29.03.2020) haben 43 Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen diesen Aufruf unterschrieben, darunter beispielsweise die Heidehof Stiftung GmbH, die KfW-Stiftung, die Software AG Stiftung und die DATEV-Stiftung Zukunft.

Aufruf des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen „KEEP THE ARTS ALIVE!“

Weiterhin hat der Bundesverband den Aufruf „KEEP THE ARTS ALIVE!“ an kunst- und kulturfördernde Stiftungen gestartet.

So hat beispielsweise die Hamburgische Kulturstiftung gemeinsam mit anderen Stiftungen einen Hilfsfonds ins Leben gerufen, der freie Künstler*innen in Hamburg unterstützen soll. Der Bundesverband ermuntert zu ähnlichen Initiativen. Gemeinsam solle man einen lokalen Fonds auflegen, der flexibel staatliche Fördermittel ergänzt.

Videobotschaft des Vorsitzenden des Vorstandes des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Professor Dr. Joachim Rogall, digitale Maßnahmen des Bundesverbandes, Geschäftsstelle ist weiterhin erreichbar

Darüber hinaus lädt der Arbeitskreis Förderstiftungen zu einem virtuellen Stiftungsaustausch ein. Die geplanten Videokonferenzen dienen dem Erfahrungsaustausch in Zeiten der Corona-Krise. So wird am 31. März 2020 eine Videokonferenz zum Thema „Fokus Nothilfe-Fonds“ durchgeführt. Am 07. April 2020 findet eine weitere Videokonferenz zum Thema „Fokus internationale Fördertätigkeit“ statt.

 

In Anbetracht der Tatsache, dass der jährlich stattfindende Deutsche Stiftungstag 2020, der zum Thema „Zusammenhalten - Stiftungen gestalten Zukunft“ vom 17. bis 18. Juni 2020 in Leipzig geplant war, abgesagt wurde, sind diese virtuellen Veranstaltungen eine sehr gute Plattform für Erfahrungsaustausch und gemeinsames Lernen in dieser Krisenzeit.

 

Schließlich ist auf der Informationsseite des Bundesverbandes vor allem auch die Videobotschaft von Professor Dr. Joachim Rogall, Vorsitzender des Vorstands des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, hervorzuheben.

 

Der Stiftungstag sei zwar abgesagt, so Rogall, das Motto jedoch nicht, ganz im Gegenteil. Gerade jetzt können Stiftungen, so Rogall, zeigen, dass sie eine tragende Säule der Gesellschaft und unverzichtbar für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt sind.

 

Politisch müsse sich der Bundesverband dafür einsetzen, dass Stiftungen auch außerhalb ihres Stiftungszweckes schnell und unbürokratisch Hilfe leisten können, und das nicht nur in der Corona-Krise. Diese müsse man jetzt zum Anlass nehmen, eine gesetzliche Grundlage im Rahmen der Stiftungsrechtsreform und der Gemeinnützigkeitsrechtsreform zu fordern, damit Stiftungen künftig in Krisensituationen schnell helfen können.

 

Der Bundesverband macht schließlich deutlich, dass die Geschäftsstelle weiterhin per Telefon und per E-Mail erreichbar ist. Zwar arbeiten die Mitarbeitenden im Homeoffice, die Erreichbarkeit ist aber dennoch gewährleistet.

 

Die Stiftungen haben blitzschnell reagiert und sich insgesamt schnell, unbürokratisch und flexibel auf ihre Fördertätigkeit in der Corona-Krise eingestellt.

 

Dieser verständnisvolle und äußerst tolerante und partnerschaftliche Umgang mit den gemeinnützigen Organisationen ist vorbildlich.

Reaktionen einzelner Stiftungen

Die KfW-Stiftung beispielsweise hat den Aufruf des Arbeitskreises Förderstiftungen des Bundesverbandes ebenfalls auf ihrer Webseite veröffentlicht.

 

Auch die DATEV-Stiftung Zukunft äußert sich ähnlich wie der allgemeine Aufruf des Arbeitskreises Förderstiftungen:

 

"Unser Versprechen zur Finanzierung von Förderungen:

  • Die DATEV-Stiftung wird keine Mittel zurückfordern, sollten zentrale Aktivitäten aufgrund des Coronavirus verschoben oder abgesagt werden müssen.
  • Alle bereits zugesagten Mittel werden ausgezahlt, auch wenn zentrale Projektziele aufgrund der Coronakrise nicht erreicht werden können.
  • Eine generelle Anpassung der Zweckbindung bereitgestellter Mittel ist derzeit nicht vorgesehen, es kann aber im Einzelfall sinnvoll sein. Die DATEV-Stiftung ist hierfür jederzeit ansprechbar.

 Unser Versprechen zur Umsetzung von Förderprojekten:

  • Bei bereits abgesagten oder verschobenen Veranstaltungen kann eine Verlängerung der Projektlaufzeit gewährt werden.
  • Sofern zentrale Projektziele absehbar nicht erfüllt werden können, wird die DATEV-Stiftung flexibel reagieren.
  • Wir unterstützen ausdrücklich die Umstellung auf digitale Veranstaltungsformate, Arbeitsweisen und Prozesse.

Unser Versprechen zum Projektreporting:

  •  Wir geben allen Förderpartnern die Möglichkeit, das Projektreporting auf einen realistischeren Zeitpunkt zu verschieben."

Die Software AG Stiftung ermöglicht weiterhin eine schnelle und unbürokratische Einreichung von Förderanträgen, nun aufgrund der Lage in erster Linie elektronisch. Eine Erreichbarkeit der Stiftung, auch wenn die Mitarbeitenden im Homeoffice sind, ist weiterhin gegeben. Auch die Robert Bosch Stiftung GmbH reagiert flexibel und ist weiterhin für ihre Partner erreichbar.

 

Ferner hat das Bündnis der Bürgerstiftungen Deutschlands eine Informationsseite „Füreinander da sein! Bürgerstiftungsarbeit im Krisenmodus“ mit zahlreichen Informationen zum Umgang der Bürgerstiftungen mit der Krise, wie beispielsweise rechtliche und praktische Tipps, veröffentlicht.

Pressemitteilung des Deutschen Fundraising Verbandes

Schließlich macht sich auch der Deutsche Fundraising Verband für die gemeinnützigen Organisationen und ihre Helfer*innen in einer Pressemitteilung stark: https://www.dfrv.de/blog/2020/03/17/pressemitteilung-hilfe-wegen-coronavirus-auch-fuer-helferinnen-und-ihre-organisationen-noetig/.

Stiftungsfundraising: Mein Fazit und meine Empfehlungen für Sie

Fazit ist, dass die Stiftungen als verlässliche Partner nach wie vor für die gemeinnützigen Organisationen da sind. Es kann durchaus sein, dass es hier und da vielleicht mal Verzögerungen in der Erreichbarkeit gibt oder Antragstellungen verschoben werden müssen, aber im Großen und Ganzen sind die Stiftungen präsent und gerade jetzt in der Krise für ihre Kooperationspartner verlässlich präsent.

 

Ich selbst kann auch aus meiner Stiftungsarbeit berichten, dass die Stiftungen sehr flexibel, tolerant und verständnisvoll in der Krise reagieren und ihren Kooperationspartnern die größtmögliche Flexibilität lassen, um in der Krise angemessen zu reagieren und das Bestmögliche für die Zielgruppen zu erreichen.

 

Auch für neue Förderungen sind Stiftungen in dieser Zeit offen und ansprechbar. Insofern verhalten sich die aus meiner Arbeit bekannten Stiftungen in der Art und Weise, wie es der Arbeitskreis Förderstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen empfiehlt. Stiftungsfundraising ist in dieser Zeit der Krise ein optimaler Schwerpunktbereich In der Fördermittelakquise.

 

Meine Empfehlungen:

 

Jetzt in der Krisenzeit ist es wichtig, einen Notfall-Fonds einzurichten und diesen aktiv zu bewerben. Klären Sie Ihre Förderer über die aktuelle Situation auf und kommunizieren Sie offen über Ihre Projekte und Ihre derzeitigen Herausforderungen. Wie wir gesehen haben, sind die Stiftungen nicht nur bereit, sondern sie befürworten sogar einen solchen Nothilfe-Fonds und zahlen hier schnell und unbürokratisch ein.

 

Dies ist eine Chance, die Sie nutzen sollten, wenn Sie dringende Maßnahmen für besonders vulnerable Zielgruppen umsetzen müssen. Insofern sollte der Nothilfe-Fonds ein klares Call-to-Action enthalten und Sie in regelmäßigen Abständen über Ihre Projekte, über Ihre Herausforderungen und auch über Ihre Kernaufgaben berichten.

 

Mit Hilfe des Nothilfe-Fonds können Sie natürlich auch andere Fördermittel und Spenden einwerben, insofern ist in der Krisenzeit ein Nothilfe-Fonds das optimale Fundraising-Instrument.

 

Wichtig ist in dieser Krisenzeit vor allem auch, dass Sie offen, transparent und regelmäßig mit Ihren Förderern kommunizieren. Wie Sie gesehen haben, haben die Stiftungen in dieser Zeit für alles Verständnis, daher sollten Sie offen und proaktiv mit den Stiftungen umgehen und die Krise vielleicht auch als Chance nutzen.

 

Ich wünsche Ihnen für Ihr Stiftungsfundraising viel Erfolg! Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

 

Auch über Kommentare freue ich mich sehr.


Ira Busch / BuschConsult
29.03.2020